Siebert OCA

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Auf meiner Suche einen guten Glaswegkorrektor für mein Zeiss Großfeldbino zu bekommen fand ich sehr schnell heraus daß das Angebot hierfür äußerst begrenzt ist.
Eigentlich gibt es nur den Baader Glaswegkorrektor in 2".
Dieser führt mit einem Verlängerungsfaktor von 1,7x mein Großfeldbino allerdings ad absurdum.
Dies deshalb, weil er aus einem 25mm Okular (es passen ja nur 1,25" Okulare in diese Binos) durch den großen Verlängerungsfaktor von 1,7x eine Brennweite von nur noch ca. 15mm macht.
Das nenne ich nicht gerade Großfeld!

Über einen Tip von Rolf Geissinger habe ich mir einen Glaswegkorrektor der Firma Siebert Optics aus den USA beschafft, auch hier heftig von Rolf unterstützt - nochmals Danke Rolf.

Harry Siebert baut viele verschiedene Glaswegkorrektoren, in diesem Erfahrungsbericht geht es um den "2OCA13" (2" OCA mit 1,3x Verlängerungsfaktor).
OCA= Optical Corrector Assembly.
Er wird bei Siebert Optics unter Ad#3 angeboten.

Der Import gestaltete sich lt. Rolf problemlos.
Sollten zum Import Fragen auftreten, ist Rolf gerne bereit Auskunft zu erteilen: www.stern-fan.de
Infos zum USA-Import auch auf Rolfs Seiten: www.stern-fan.de/Seiten/tuning-import.htm

Diese Glaswegkorrektoren haben nur einen sehr geringen Verlängerungsfaktor und kommen schon erheblich näher an meine Definition von Großfeld.
Aber nicht nur das....die Siebert OCA haben/können noch mehr.
Aufgrund dessen und weil Harry Siebert eine „Full Money back guarantee“ von 6 Wochen gewährleistet, habe ich den Versuch gewagt.

Nachfolgend die bis dato damit vorliegenden Erfahrungen, soweit nicht anders im Text angegeben handelt nachfolgender Bericht vom OCA mit Verlängerungsfaktor 1,3x:

 

Der Vorteil gegenüber den mir bekannten GWKs (GlasWegKorrektoren) ist zum einen der geringe Verlängerungsfaktor von 1,3x (es gibt sogar welche mit 0,97x - siehe Erläuterungen weiter unten).
Hierdurch wird Großfeldbeobachtung mit Bino am Newton mit normaler, monokularer Fokuslage erst halbwegs möglich
Sehr praktisch ist die Möglichkeit die Fokuslage am Siebert OCA EXAKT und schnell einzustellen.
Das funktioniert sehr einfach durch herausziehen oder hineinschieben eines kleinen, teleskopierbaren Zylinders (Slide Tube) in dem die Eingangslinse gefaßt ist (siehe Bilder weiter unten).
Die Einstellung der Fokuslage am Bino auf das verwendete Teleskop in Sekunden und somit auch der sehr schnelle Wechsel auf verschiedene Teleskope ist eine wirklich feine Sache!
Ein innovatives System.
Schöne Infos und Fotos hierzu auch auf Rolfs Seite: www.stern-fan.de/Seiten/zubehoer-gwk.htm

Die Optik:
Nachfolgendes über die Optik ist als Erfahrungsbericht zu verstehen.
Bitte hierzu beachten, daß sich alles folgende auf eine Handvoll Teleskope bezieht (115/800  -  10" F/5  -  12" f/4  -  12" f/5  -  12,5" f/5  -  16"-f5) und mit nur 4 verschiedenen Binos getestet wurde (Baader Maxbright, Baader Großfeld Mark V, Zeiss Großfeld und BW Bino).
Das sind schon ein paar, aber längst noch nicht alle!
Sollten weitere Erfahrungen im Laufe der Zeit vorliegen, werden sie hier veröffentlicht.

Bei einem ersten Test des 1,3x Siebert OCA am Zeiss Großfeldbino (30mm Prismen) im 10“ f/5- und 16“ f/5-Newton wurden mit je einem Paar Vixen LVW 22 Okularen (22mm, 65°) und ED 25 Okularen (25mm, 50°) keinerlei Vignettierung festgestellt.
Im Bereich höherer Vergrößerung mit 9mm Okularen und ca. 300 facher Vergrößerung (AP= 1,35mm) am 16“ f/5 wurde dem Siebert OCA am Mond ein gestochen scharfes und farbreines Bild ohne Reflektionen attestiert.
Leider lagen keine Pärchen Okulare mit kürzerer Brennweite vor um noch höhere Vergrößerungen mit kleinerer AP austesten zu können.
Fehler im Randbereich konnten weder bei Großfeldbeobachtung, noch bei hohen Vergrösserungen festgestellt werden.
In Verbindung mit dem Zeiss Großfeldbino scheint die Farbkorrektur der Prismen durch den OCA gut zu funktionieren.

Beim Versuch im Trockendock am 10" f/5 und 12" f/5 konnten mit dem 1,3x OCA die Halteklammern am HS erkannt werden.
Die AP am Okular wird hierbei durch ein Vergrößerungsglas angeschaut (z.B. umgekehrtes Okular) somit keine Vignettierung!

Am 12.5“ f/5 mit 1,3x und 2,0x OCA und 25mm 68° TS WA Okus mit BW Bino, sowie 9mm Nagler mit BW Bino konnte in keinem Fall irgendwelche Vignettierung oder sonstige negative Einflüsse festgestellt werden.

Ebenso wurde am 115/800 Refraktor mit dem 1,3x OCA und BW Bino in Verbindung mit einem Pärchen Panoptic 24mm keine Vignettierung festgestellt.

Am 12" f/4  mit dem 1,3x OCA und Baader Maxbright wurde im Bild erst kein Fehler entdeckt, in den Beugungsringen konnte man etwas Restfarbe ausmachen.
Dies verwundert nicht, da bei f/4 durch den stumpfen Strahlenkegel das Licht erheblich stärker als im f/5 gebrochen wird und der OCA eigentlich nicht mit jedem Bino absolut perfekt funktionieren kann, da die Korrektur sonst speziell auf das Bino gerechnet sein müsste.
Umso erstaunlicher, daß es mit den weiter oben genannten Zeiss, Baader und BW so gut funktioniert.
Bei weiteren Beobachtungen zu späterem Zeitpunkt mit dem 12" f/4 wurden vergrößerte Sternabbildungen gesehen, bei denen aber bis dato noch nicht feststeht woher das kommt und ob evtl. der Siebert damit nicht 100%ig klar kommt.

Als Fazit kann optisch bis dato dem Siebert OCA bescheinigt werden daß er an Teleskopen mit Öffnungsverhältnissen ab f/5 aufwärts einwandfreie Arbeit verrichtet.
Sobald Zweifelsfrei geklärt ist wie er an schnellen Teleskopen um f/f arbeitet wird dieser Artikel erweitert.

Die Mechanik (Nachfolgendes über die Mechanik bezieht sich auf den 1,3x OCA):
Schön schwarz eloxiert wäre für mich das Finish noch erheblich schöner und die Oberfläche durch das harte Eloxal erheblich kratzfester.
Der Aussendurchmesser der 2“ Hülse beträgt 50,72mm, geht somit saugend, schon fast stramm in gute Okularauszüge.
Ein Exemplar ging bei einem Sternfreund schon hakelig reibend in den OAZ.
Auch hier würde der OCA bei eloxierter Oberfläche besser in den OAZ gleiten.
Leider befindet sich an der 2"-Klemmhülse keine Sicherungsnut, da ich durch eine fehlende Sicherungsnut schon ein Zeiss Großfeldbino zerschreddert habe ist das m. E. sehr ärgerlich.
Das T2-Gewinde für das Zeiss-Bino oder auch für Baader Binos paßt sehr gut mit wenig Spiel.

Vorne in das Slide Tube kann vor die Eintrittslinse ein 1,25“ Filter eingeschraubt werden, das Gewinde paßt ebenfalls gut bei meinen Filtern, bei einem Sternfreund mit gleichem OCA hakelt es.

Bei der Einstellung der Fokuspunktes mit dem Slide Tube muß man vorsichtig sein, da das Slide Tube beim Verstellen innen an die zweite Linse stoßen oder andererseits auch herausfallen kann.
Hier wären Anschläge sicherer.
Wenn man jedoch direkt nach dem Einstellen des Fokuspunktes das Slide Tube mit der Madenschraube festlegt besteht keine Gefahr.
Die Einstellung des Fokuspunktes durch Verschieben des Slide Tube ist simpel und so einfach wie Fokussieren.

Das Gewicht des kpl. Siebert OCA 1,3x beträgt in meiner Ausführung mit T2-Gewinde 190gr.

Es gibt noch baugleiche Ausführungen mit Verlängerungsfaktoren von 0,97x- 1,5x - 1,7x - 2,0x und 2,7x.
Auch hier ist die Version mit Verlängerungsfaktor 0,97x sicherlich einen besonderen Blick wert.

Die pfiffige Lösung den OCA bei Beobachtung mit einem 2“ Zenitspiegel zu teilen sollte auch Beachtung finden!
Jeder der schon einmal einen langen GWK im Zenitspiegel hatte und oben drauf sein Bino montierte weiss diesen Vorteil zu schätzen.

Die anderen Siebert OCAs dieser Baureihe:
Es besteht erstmals die Möglichkeit die freie Öffnung von Binos auch wirklich als solche zu nutzen, da von dieser Baureihe u. a. auch ein OCA mit Faktor 0,97x lieferbar ist.
Das eröffnet der Binokularen Beobachtung am monokular eingestellten Newton oder ungekürzten Refraktor ungeahnte Möglichkeiten.

Info zum 1x OCA (eigentlich 0.97x) von Rolf Geissinger:
Beim 1x OCA  muss das Slide Tube im Vergleich
zu den andern Modellen relativ weit (ca. 50mm) herausgezogen werden, um einen ähnlichen Fokuspunkt zu erreichen. 
Dadurch kann das OCA unter Umständen etwas in den Strahlengang des Tubus reichen.
Damit kann ich meinen Filterschieber vergessen, weil das Slide Tube ewig weit in den Schiebebereich hineinragt.

Ansonsten funktioniert es genau so gut wie das 1,3x und 2,0x OCA  (Anm.  Alle 3 sind im Besitz von Rolf Geissinger, Kontaktadresse ganz oben im Text)

Originaltext von Harry Siebert : "Das ist der Preis für 1x Vergrößerung"

Für mich persönlich verkörpert dieses Siebert OCA System in der Summe seiner Eigenschaften die derzeit mit Abstand beste Lösung der am Markt befindlichen GWKs.
Und das zu einem Preis von 179,- $ für einen Verlängerungsfaktor und 229,- $ für ein Paket mit 2 Verlängerungsfaktoren (Bei Import kommen da insgesamt grob 20% Zoll und MwSt drauf.)
Zusätzliche Slide Tubes mit anderen Verlängerungsfaktoren kann man auch für ca. 50,- $ Nachkaufen.
Wenn man z. B. einen 2x mit einem 1,3x kombiniert, erhält man den Faktor 2,7...ob das Sinn macht muß jeder selbst entscheiden.

Ich werde mir höchstwahrscheinlich auch noch das 0,97x Slide Tube zulegen um mein Großfeldbino 100% nutzen zu können.

Infos sind über die Englischsprachige Seite von Siebert Optics zu bekommen: www.siebertoptics.com

 

 

Hier rechts das Zeiss Großfeldbino und links der Siebert OCA.

Hier der Siebert OCA in größerem Maßstab.

Rechts ist das T2-Gewinde zu erkennen, welches in das Bino geschraubt wird - dies war eine Sonderanfertigung.
Harry Siebert ist da sehr flexibel.
Die Standardausführung wird mit 1,25"-Bohrung für die normalen 1,25"-Klemmhülsen geliefert.
Den OCA gibt es auch mit anderen Befestigungsmöglichkeiten, die T2-Adaption finde ich aber sehr praktisch.

Links die beiden Schrauben mit dem schwarzen Kopf sind für die Werkzeuglose Verstellung der Fokuslage.
Sie sind aus Kunststoff und somit mit Vorsicht anzuziehen.
Die kleine, mittige Madenschraube ist zum festlegen des Slide Tube nach der Einstellung der Fokuslage.
Sie legen das Slide Tube des OCA fest.

Fast mittig befindet sich ein 2" Filtergewinde, welches eine Teilung des OCA zum Einsatz am Zenitspiegel ermöglicht (siehe letzes Bild).


Hier im harten Blitzlicht der OCA von allen Seiten.
Innen pechschwarz.

 

Daten des 1,3x OCA:

Der Steckhülsendurchmesser beträgt 2" (gemessen 50,72mm).
Der Kragen oben zwischen Steckhülse und T2-Gewinde hat einen Durchmesser von 57,65mm.
Die Nutzlänge der 2" Steckhülse beträgt 35mm.

Der zylindrische Teil an den Schräubchen für das Slide Tube hat einen Durchmesser von 37,65mm.
Die Länge diese Teils beträgt 36,5mm.

Das Slide Tube hat einen Durchmesser von 31,4mm.

Die Gesamtlänge des OCA mit Einstellung für neutralen Fokuspunkt an unseren Newtons beträgt 91,3mm.
Ab Auflage Bino sind das bei einer T2-Gewindehöhe von 5mm= 86,3mm.

Der Eintrittslinsendurchmesser beträgt ca. 29mm, mit einer freien Öffnung zum Teleskop von ca. 26,5mm..

Die zweite Linse im OCA hat einen Durchmesser von ca. 42mm, mit einer freien Öffnung zum Bino von ca. 30mm.


In dieses T2 Innengewinde des Binos wird der OCA geschraubt.


Zeiss Großfeldbino und 1,3x OCA verheiratet.

Mal 2 interessante Augnahmen bei gleicher Kamarastellung.

Von der Bino-Eingangsseite strahlt helles Sonnenlicht in den Lichteintritt.
Es ist keinerlei Vignettierung erkennbar - trotz der 30mm Prismen des Zeiss Großfeldbinos.
Im oberen Bild wirkt die freie Öffnung etwas größer, da durch einstreuendes Licht alles etwas heller ist.

 

 

 

 

Oberes Bild durch den Okularstutzen des Zeiss Großfeldbinos OHNE OCA.

 

 

 

 

 

Unteres Bild durch den Okularstutzen des Zeiss Großfeldbinos MIT 1,3x OCA.
Im unteren Bild sind die Prismenkanten des Binos kaum zu erkennen, da das schräg einfallende Sonnenlicht durch den montierten OCA nicht mehr direkt auf sie strahlt.


Hier sieht man den OCA mit Adaptierung an die Zeiss Ringschwalbe (Zeiss Microbajonett).
Der T-2i Schnellwechsler mit Zeiss Microbajonett (Nr. 245 6313) ist von der Fa. Baader.

Das Bino ist ein Baader Großfeldbino Mark V.

 

 

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Rolf Geissinger


Hier sieht man die wirklich innovative Möglichkeit den Siebert OCA am Zenitspiegel zu nutzen.

Hier wird der OCA einfach in 2 Teile auseinandergeschraubt.
Ein Teil kommt vorne, Eingangsseitig in den Zenitspiegel und ein Teil hinten, Okularseitig in den Zenitspiegel.
Dadurch daß das vordere Teil ein 2" Filtergewinde hat, kann es problemlos in praktisch alle 2" Zenitspiegel geschraubt werden.
So werden unangenehm lange und instabile Turmbauten am ZS vermieden.

Auch hier kann natürlich der Fokuspunkt schnell und stufenlos an das Teleskop angepasst werden.

Das Bino ist ein BW-Bino.
Der ZS ist ein 2" Baader.

Die OCA Teile sind für das Foto nur provisorisch angelegt worden, sollte für eine Erklärung aber reichen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Rolf Geissinger