DICHTUNGEN

Nachfolgend einige Tips und Tricks zu den Heinkel "Dichtungsproblemen".
Die für Heinkel zu beziehenden Dichtungen sind nur teils auf dem heutigen Stand der Technik - in den letzten 40 Jahren hat sich da doch einiges getan.  Um langfristig einen trockenen Antrieb zu gewährleisten, setze ich bei ALLEN Dichtungen "Zusatzdichtstoffe" ein.  Diese, nachfolgend erläuterte Methode wir von mir seit ca. 15 Jahren allgemein bei Motorradmotoren erfolgreich eingesetzt.  

Es gibt sicherlich mehrere Wege um dauerhaft dichte Motoren zu bekommen.
Für mich hat sich der nachfolgende Weg als zumindest eine, sehr gute, Möglichkeit erwiesen gerade um "hoffnungslose" Fälle in den Griff zu bekommen.


Motorgehäuse:

Das Motorgehäuse ist in der Mitte vertikal geteilt und wird ohne Feststoffdichtung montiert.  Die beiden Gehäuseteile werden mit Loctite 510 - Flächendichtung (näheres zur Verarbeitung siehe unter Zylinderkopf) abgedichtet.  Überquellendes Material ist für den Motor unschädlich, da es nur unter Luftabschluß und metallischem Kontakt = anaerob aushärtet!  Auf die Dichtfläche des Motorgehäuses  wird nun DÜNN Loctite 510 aufgetragen - am besten mit einem kleinen Pinsel.  Nun werden die beiden Hälften montiert.  

VOM ZUSAMMENBAU DER BEIDEN HÄLFTEN, BIS FESTZIEHEN DER MUTTERN SOLLTEN NICHT MEHR ALS 3-5 MINUTEN VERGEHEN, DA DIE FLÄCHENDICHTUNG DANN ANFÄNGT LANGSAM AUSZUHÄRTEN!

Die endgültige Festigkeit erreicht das Loctite 510 nach ca. 48 Stunden bei Raumtemperatur.  Eine ausreichende Festigkeit ist aber bei dieses Anwendung schon nach ca. 12 Stunden bei Raumtemperatur gewährleistet!

Die Demontage ist problemlos mit leichten Gummi- bzw. Kunststoffhammerschlägen auf die Dichtungsfuge, bzw. im 90°-Winkel zur Dichtfläche (in "Richtung Auf") zu bewerkstelligen!

Siehe auch "Wichtige Vorarbeiten"!


Zylinder:

Die ca. 0,7mm starke Flachdichtung zwischen Zylinderfuß und Motorgehäuse ist aus organischem, Drahtgewebe-verstärktem und relativ festem Material.  Durch deren Härte sind sie allerdings kaum noch in der Lage Spalte zu überbrücken.  Um eine höhere Dichtwirkung, bzw. Spaltüberbrückung zu erreichen muß sie beschichtet werden.  Hierzu verwende ich Loctite 5922, (ca. € 5,50 / 60 ml im Fachhandel) welches beidseitig dünn auf die Dichtung aufgetragen wird - am besten mit einem Pinsel - und vor Einbau gut ablüften muß.  Diese Schicht ist hochhitzebeständig - bis 200°C -, dauerelastisch und weich, was eine sehr gute Spaltüberbrückung ermöglicht.  Sehr häufig kann mit diesem Produkt eine schadhafte Zylinderfußdichtung durch "Auffüllen" repariert werden.  
Ein Datenblatt hierzu ist unter DOWNLOADS zu finden!
Siehe auch "Wichtige Vorarbeiten"!


Zylinderkopf:

Es gibt verschiedene Kopfdichtungen für die 175er Motoren: Die organische Dichtung, die organische Dichtung mit Kupferbrennsteg, die Kupferdichtung sowie die Aluminiumdichtung.
Zu beziehen ist die Alu-Kopfdichtung unter der Teilenummer: 21.1023 (103-A1 / A2) bei der Heinkel-Ersatzteilzentrale (siehe Links).
Mir ist leider nicht bekannt, ob alle Kopfdichtungen mit Kupferbrennsteg so hart sind, es ist aber wohl schon vorgekommen, daß sich dieser Brennsteg aus Kupfer in den weichen Zylinderkopf mit der Zeit mehrere Zehntel Milimeter (0,5 mm wurden schon gesichtet) eingearbeitet hat und dadurch natürlich bei der Instandsetzung auch relativ viel Material beim Planen heruntergenommer werden muß.  Theoretisch ist daß durchaus einleuchtend, da der größte Teil dieser Dichtung ja relativ flexibel ist und dementsprechend die Flächenpressung an dem schmalen Kupfer-Brennsteg extrem hoch ist, was durchaus die maximalen Druckfestigkeitswerte des Alu-Zylinderkopfmaterials übersteigen kann - es tritt ein Fließpresseffekt ein.  Sicherheitshalber also Finger weg von der Kupfer-Brennsteg-Dichtung!
Die Kupferdichtung ist soweit auch OK, kann jedoch NICHT zusätzlich mit Loctite behandelt werden, da es sich mit Kupfer, bzw. Kupferlegierungen NICHT verträgt!
Meines Erachtens ist die Aluminiumdichtung die beste Alternative.
Hierbei kann mit anaeroben Dichtmitteln gearbeitet werden.   (Anaerob= Aushärtung unter Abschluß von Luft und metallischem, beidseitigem Kontakt).   Ich verwende hierfür ausschließlich die Loctite-Flächendichtung 510 (ca. € 21,- / 50 ml im Fachhandel). 
Ein Datenblatt hierzu ist unter DOWNLOADS zu finden!  
Diese Flächendichtung ist speziell für diese, thermisch hoch beanspruchten Anwendungsfälle bis 200°C mit Druckbeaufschlagung hergestellt worden.  Temperaturmessungen am Heinkel-Zylinderkopf ergaben maximale Temperaturen von ca. 150°C.

Zusätzlich sollte man die Auflageflächen der 4 Unterlegscheiben für die Stehbolzenmuttern am Zylinderkopf, die Unterlegscheiben selbst und die Mutter- Stehbolzengewinde reinigen und entfetten - näheres hierzu später. 

Auf die Dichtfläche des Zylinders und des Zylinderkopfes wird nun DÜNN Loctite 510 aufgetragen - am besten mit einem kleinen Pinsel.  Jetzt wird der Zylinder auf das Motorgehäuse geschoben.  Die Aluminiumdichtung wird jetzt BEIDSEITIG ebenfalls DÜNN mit Loctite 510 benetzt und auf den Zylinder aufgelegt.  Nun wird der Zylinderkopf aufgesetzt.  Bei manchen Motoren laufen geringe Mengen Motoröl zwischen den 4 Zylinderkopfmuttern und den Stehbolzen aus.  Um dies zu verhindern, wird vorher unter die 4 Unterlegscheiben und auf das Gewinde der Stehbolzen ebenfalls etwas Loctite 510 aufgetragen - ein bis zwei Tropfen je Stehbolzen reichen - welches die Spalte nach außen abdichtet.  Die 4 Zylinderkopfmuttern werden nun mit einem Drehmomentschlüssen über Kreuz angezogen (Drehmoment: 3-3,2 kgm, bzw. 30-32 Nm).
Um 200% sicherzugehen, kann vor der Montage der Unterlegscheiben der Spalt zwischen den Stehbolzen und dem Zylinderkopf großzügig mit Silikon ausgefüllt werden.

Bitte nur die dicken Original-Unterlegscheiben verwenden, da handelsübliche U-Scheiben zu dünn sind und die die, durch das Anziehen der Muttern verursachten Kräfte nicht genügend auf den Alu-Zylinderkopf verteilen!

VOM AUFSETZEN DES ZYLINDERKOPFES, BIS FESTZIEHEN DER 4 MUTTERN SOLLTEN NICHT MEHR ALS 3-5 MINUTEN VERGEHEN, DA DIE FLÄCHENDICHTUNG DANN ANFÄNGT LANGSAM AUSZUHÄRTEN!

Die endgültige Festigkeit erreicht das Loctite 510 nach ca. 48 Stunden bei Raumtemperatur.  Eine ausreichende Festigkeit ist aber schon nach ca. 24 Stunden bei Raumtemperatur gewährleistet!

Bitte nicht vergessen, die 4 Zylinderkopfschrauben nach ca. 250 km nachzuziehen, da sich die Fußdichtung setzt und somit die Vorspannung der Stehbolzen schwindet, was wiederum Undichtigkeiten nach sich zieht, die durch zu spätes Nachziehen meist nicht mehr beseitigt werden können!  Hierzu die 4 Muttern ZUERST gering lösen (ca. 1/4 Umdrehung) und dann erst wieder auf Drehmoment im Uhrzeigersinn nachziehen.  Durch daß Lösen der Mutter wird u. a. der sog. Slip-Stick-Effekt verhindert - daß bedeutet, man muß sonst beim Nachziehen immer erst ein sogenanntes "Losbrechmoment" überwinden, bevor der tatsächliche Drehmomentwert anliegt.  Daß vorher auf die Stehbolzen aufgebrachte Dichtmittel hält normalerweise das einmalige Lösen der Muttern aus, da diese Dichtflächen nicht Druckbeaufschlagt sind, reicht die Abdichtung.

Siehe auch "Wichtige Vorarbeiten"!


Feststoffdichtungen:

Die beim Heinkel verwendeten, bzw. zur Verfügung stehenden Flachdichtungen sind allesamt organische Dichtungen, teils verstärkt mit Drahtgewebe - wie die Fußdichtung.  Diese Dichtungen müssen teilweise relativ hohen Flächenpressungen widerstehen und sind deshalb auch relativ hart und unnachgiebig - was durchaus gewünscht ist.  Durch deren Härte sind sie allerdings kaum noch in der Lage Spalte zu überbrücken.  Manchmal sind bei den alten Motoren allerdings schon recht große Spalte zu finden und dementsprechend sind viele Motoren nicht 100%ig dicht.  Um eine höhere Dichtwirkung, bzw. Spaltüberbrückung zu erreichen, müssen diese Dichtungen beschichtet werden.  Hierzu verwende ich Loctite 5922, (ca. € 5,50 / 60 ml im Fachhandel) welches beidseitig dünn auf die Dichtung aufgetragen wird - am besten mit einem Pinsel - und vor Einbau gut ablüften muß.  Diese Schicht ist hochhitzebeständig - bis 200°C -, dauerelastisch und weich, was eine sehr gute Spaltüberbrückung ermöglicht.  Sehr häufig kann mit diesem Produkt eine schadhafte Flachdichtung durch "Auffüllen" repariert werden.  
Ein Datenblatt hierzu ist unter DOWNLOADS zu finden!
Siehe auch "Wichtige Vorarbeiten"!


Allgemein:

Vorsicht vor manchen dauerelastischen Dichtmaterialien (Silikone, RTV-Silikone und ähnliches), da viele zwar Ölbeständig sind, sich bei Benzin jedoch ab-, bzw. auflösen!  Hierzu immer zuerst die chemische Beständigkeit auf dem Datenblatt prüfen!  Die von mir, oben verwendeten Dichtmittel sind Wasser-, Öl- und Benzinbeständig.  Dauerelastische Dichtmittel sind für druckbeaufschlagte Dichtflächen - wie die Zylinderkopfdichtung - NICHT geeignet!


Dichtungs-Selbstbau:

Hauptsächlich die Fußdichtung ist relativ einfach herzustellen.  Die im Handel erhältlichen Dichtpapiere sind allerdings meistens nicht ausreichend hitzefest.  Speziell das, von Elring hergestellte, aktuelle Dichtpapier Typ ABIL N ist bis maximal 120°C hitzebeständig.  Die älteren ABIL-Dichtpapiere sind sogar nur bis 90°C einzusetzen.  Beide sind auf Zellulosefaserbasis mit NBR-Binder aufgebaut.  Das ABIL N kann für Gehäusedichtungen und Dichtungen am Abtrieb eingesetzt werden, ist für den Zylinderfuß jedoch nicht verwendbar.  Die Firma Elring hat einen Dichtungswerkstoff Typ EWP 207, der bis 200°C eingesetzt werden kann und auf NBR gebundenen, synthetisch- organischen Fasern aufbaut.  Leider ist das EWP 207 nur in Platten a. 1500mm x 1000mm lieferbar und kostet ca. € 20,- bis € 27,- pro Platte, je nach Stärke.  Sicherlich gibt es noch andere Dichtmaterialien, die evtl. Erfolg versprechen - mir sind diese aber nicht bekannt und deshalb kann ich keine qualifizierte Aussage darüber machen.


Wichtige Vorarbeiten: ACHTUNG:
Bevor es mit dem Auftragen der Dichtmittel losgehen kann, müssen die Flächen vorbereiten werden.
Hierzu müssen die Dichtflächen PENIBEL mit Aceton oder ähnlichem gereinigt und mit 600er Schleifpapier LEICHT angeschliffen werden, um die verhärteten Verschmutzungen zu entfernen.  Zur Endreinigung wird noch einmal mit Aceton o. ä. der Schleifstaub GRÜNDLICH entfernt. 
Ich kann nur betonen, daß diese Vorarbeiten EXTREM wichtig für den späteren Erfolg sind!
Nur absolut saubere und fettfreie Flächen garantieren eine einwandfreie Benetzung/Haftung und somit Erfolg!  
Anaerobe Dichtstoffe sind ausschließlich für beidseitig metallische Kontaktflächen geeignet, wobei Kupfer und Kupferlegierungen (z. B. Messing) NICHT damit geklebt / gedichtet werden können, da sich diese Werkstoffe NICHT mit den anaeroben Kleb-, bzw. Dichtstoffen "vertragen"!